CfP: Technik und Öffentlichkeit, TU Berlin Mai 06

Technik und Öffentlichkeit.
Erwartungshorizonte und Kommunikationskulturen im historischen Wandel


Call for Papers
Wissenschaftliche Tagung der Gesellschaft für Technikgeschichte und der
Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung
Technische Universität Berlin, 26.-28. Mai 2006


Wissenschafts- und Technik-Kommunikation liegt gegenwärtig im Trend. Es gibt eine Fülle an Bürger-Konferenzen, Informations-Ausstellungen, Wissenschafts- und Technik-Dialogen oder auch neue Bestrebungen zur Professionalisierung des Wissenschafts-Journalismus. Die immer noch Schlagzeilen tauglichen Thesen mangelnder Technik-Akzeptanz, die arbeitsmarktpolitische Problematik mangelnden wissenschaftlich-technischen Nachwuchses, die Legitimation wissenschaftlich-technischer Forschung angesichts knapper Verteilungsspielräume, aber auch die politische Vision einer stärkeren Demokratisierung der Technologiepolitik bilden den Hintergrund dieser Aktivitäten. Die Vielzahl an Initiativen zur Technik-Kommunikation verweist auf Veränderungen im Verhältnis zwischen Wissenschaft, Technik und Öffentlichkeit.

Die wissenschaftliche Tagung der Gesellschaft für Technikgeschichte und der Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung befasst sich mit diesem Wandel. Die Zusammenführung von Untersuchungen aus den Geschichts- und Sozialwissenschaften soll die Analyse von Wechselwirkungen zwischen Technik und Öffentlichkeit schärfen
Das Verhältnis von Technik und Öffentlichkeit kann auf zwei verschiedenen Weisen zum Thema werden, je nachdem welcher Begriff von Öffentlichkeit zugrunde gelegt wird. Der Begriff Öffentlichkeit bezeichnet erstens all jene Gesellschaftsmitglieder, die sich in unterschiedlichen Rollen und mit unterschiedlichem Einfluss aktiv oder passiv an der Einschätzung und Bewertung der Ereignisse beteiligen. Dies ist die Öffentlichkeit der öffentlichen Wahrnehmung, des öffentlichen Diskurses und der öffentlichen Meinungsbildung. Unter 'Öffentlichkeit' kann zweitens jene Sphäre der allgemeinen Zugänglichkeit von Ereignissen für alle Gesellschaftsmitglieder gemeint sein, die in modernen Gesellschaften primär medienvermittelt entsteht.

Erwartungshorizonte an Wissenschaft und Technik

Die Inhalte der Wissenschafts- und Technikkommunikation spiegeln Veränderungen der Erwartungshorizonte an Wissenschaft und Technik wider. Wie prägten die im öffentlichen Diskurs jeweils am sichtbarsten thematisierten Techniken, sei es nun die Eisenbahn, die Elektrizität, seien es Raumfahrt, Kernenergie oder Informationstechnologien, die öffentliche Wahrnehmung von Technik insgesamt? Wie veränderten sich die Erwartungshorizonte verschiedener Teilöffentlichkeiten an Naturwissenschaft und Technik und wie wirkte sich dies auf die Ansätze und Inhalte der Technik-Kommunikation aus? Die Tagung fragt zunächst nach dem Wandel der Technik-Kommunikation in Folge einer Veränderung der Erwartungshorizonte an Wissenschaft und Technik.

Träger der Technik-Entwicklung
Die Wissenschafts- und Technikforschung verweist auf eine Vielzahl an Akteuren, die an der Entwicklung neuer Technologien beteiligt sind. Welche Rückwirkungen dies auf die Wissenschafts- und Technikkommunikation hat, soll auf der Tagung erörtert werden. Begriffe wie Technik-Aufklärung, Bildung, Popularisierung, Propaganda, PUSH, Partizipation oder Dialog stehen nicht nur für verschiedene Epochen der Technik-Kommunikation, sondern verweisen auch auf einen Wandel der Stakeholder bei der Technikentwicklung. Prozesse der Internationalisierung und Kommerzialisierung von Wissenschaft und Technik finden auch in der Wissenschafts- und Technikkommunikation ihren Niederschlag. Werbung oder der Aufbau von Markenwelten großer Unternehmen schuf eigene Botschaften und prägte Technik-Vorstellungen in der Öffentlichkeit. Die Tagung befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen einem veränderten Verhältnis von Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit einerseits und einer neuen Aufmerksamkeitsökonomie oder Debattenkultur andererseits.

Medien der Wissenschafts- und Technik-Kommunikation
Medientechnik veränderte tiefgreifend den Zugang zu Wissenschaft und Technik. In den Jahren von 1860 und 1895 explodierte der Markt für populärwissenschaftliche Medien. Zeitschriften, Sachbücher, Ausstellung oder öffentliche Vorträge gaben Einblick in aktuelle Forschungen und machten neue Entdeckungen bekannt. Das Dokumentarphoto und später der Dokumentarfilm verliehen den Berichten den Anschein großer Objektivität. Wissenschaftssendungen im Fernsehen und das Internet eröffneten neue Zugangswege zur Öffentlichkeit. Medien beeinflussen aber auch Forschung und Entwicklung, sie können zu neuen Formen der Wissensstrukturierung und zu veränderten Wissenskulturen beitragen. Die These der Medialisierung der Wissenschaft verweist auf die aktive Rolle der Medien bei der Produktion von Wissen. Die Tagung fragt, wie durch Medien Ereignisse in neuer Weise zu öffentlichen Ereignissen werden und welche Möglichkeiten der Dramatisierung oder gar Skandalisierung daraus folgen könn! en.

Wissenschaft und Technik in der Populärkultur

Technik ist ein fester Bestandteil der Populärkultur. Erzählungen, Romane, Comics oder Filme schaffen wirkungsmächtige Technik-Bilder und -Mythen. Die Populärkultur bildet eine Reflexionsebene für Umbrüche und Verschiebungen in den technischen und sozialen Bedingungen. Gerade in Science Fiction-Romanen oder -Filmen erhielten Technik-Visionen, ihre gesellschaftliche und kulturellen Implikationen, Strategien, Hoffnungen und Befürchtungen eine eigene Darstellungsplattform. Die Tagung soll das Spannungsfeld zwischen Technik-Darstellungen in der Populärkultur, in Institutionen der Technik-Kommunikation und im Bereich der professionalisierten Ingenieurwissenschaft aufzeigen und so das Verständnis von Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Technik und Öffentlichkeit vertiefen.

Vorträge können sich mit den genannten Themenfeldern befassen. Auf der Tagung in Berlin soll außerdem eine Sektion mit Vorträgen ohne thematische Bindung angeboten werden.

Abstracts (ca. eine Din-A4 Seite) schicken Sie bitte

bis zum 31.12.2005

an:
  • Dr. Johannes Abele
    Universität des Saarlandes
    Ref. 4 Bologna-Büro
    66041 Saarbrücken
    E-Mail: j.abele [at] web.de
  • Martin Meister
    Technische Universität Berlin
    Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin
    Hardenbergstr. 36 A (Sekr. P 2-2)
    D-10623 Berlin
    E-Mail: Meister[at]ztg.tu-Berlin.de

CFP: Kultur der Wissenschaften - Wissenschaften in der Kultur

Jahrestagung DGGMNT/GWG 2006 - Braunschweig 09/06

Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik und Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte, Braunschweig 28.09.2006-01.10.2006, Technische Universität Braunschweig

Deadline: 31.05.2006

GEMEINSAME JAHRESTAGUNG DER GESELLSCHAFT FÜR GESCHICHTE DER MEDIZIN, NATURWISSENSCHAFTEN UND TECHNIK (DGGMNT) UND DER GESELLSCHAFT FÜR WISSENSCHAFTSGESCHICHTE (GWG)
vom 28. September bis zum 1. Oktober 2006 in Braunschweig

Aufruf zur Anmeldung von Sektionen und Vorträgen

Die Vorstände beider Gesellschaften bitten um Vortragsanmeldungen zum Rahmenthema:

Kultur der Wissenschaften - Wissenschaften in der Kultur

Die Kulturgeschichte der Wissenschaften - einschließlich der mit ihnen verbundenen Praktiken wie in der Medizin, der Technik, der Justiz oder der Bildung - ist vielfach und vielfältig Gegenstand aktueller Forschung, aber noch kaum zusammenfassend zum Thema gemacht worden. Auf der einen Seite geht es dabei um die Kultur der Wissenschaften, der Technik und der Medizin in ihrer je fach-, orts- und zeitspezifischen Ausprägung und Entwicklung, also um einen kulturwissenschaftlichen bzw. ethnologischen Blick auf ihre Praktiken, eingeschlossen die Praxis der Theorie. Auf der anderen Seite steht die wissenschaftlich-technische Prägung der Kulturen und ihrer Teile. Wenn "Kultur" das selbstgesponnene Gewebe der Bedeutungen (Clifford Geertz) ist, welche Rolle haben wissenschaftliche und technische Dinge, Praktiken, Begriffe und Ideen in diesem und für dieses Gewebe? Was bedeuten Kerbholz oder Handy, Begriffe wie "Gen" oder "Ozon" in der Kultur, die sie gebraucht? Wovon ist die Rede, wenn von Prozessen wie z. B. der "Verwissenschaftlichung" eines kulturellen Feldes gesprochen wird? Schließlich geht es selbstverständlich auch um eine Reflexion auf den Begriff "Kultur" und seinen Gebrauch im Allgemeinen wie im Einzelfall, und zwar jenseits der bzw. quer zu bestehenden disziplinären Schranken.

Die gemeinsame Tagung soll in Fachsitzungen, Sektionen und
Plenarvorträgen (wie in der DGGMNT üblich) und in einem eintägigen Symposium (wie in der GWG üblich) einen Überblick über die aktuelle Forschung geben. Die Plenarvorträge und das Symposium behandeln eine Reihe von Themenfeldern wie allgemeine Kulturgeschichte, Kulturen des Experiments, Körper und Alltagskultur, Kultur der Gelehrsamkeit, Verschriftlichung und Visualisierung von Wissen, Religion und Theologie, Rundfunk und Fernsehen als Kulturtechniken, sowie Stadtkultur, Technik
und Wissenschaft.

Das Programm wird von einem Komitee aus Mitgliedern beider
Gesellschaften zusammengestellt. Mit diesem Aufruf bitten wir - im
Rahmen des Tagungsthemas - um die Anmeldung von Sektionen (2 Stunden für 4 Beiträge bzw. 3 Beiträge und ein Kommentar), sowie von Einzelbeiträgen (maximal 20 Min.), die in den Fachsitzungen vorzutragen sein werden.

Anmeldungen von Beiträgen oder vollständigen Sektionen sollen unter Angabe der/des Vortragstitel/s, der vollständigen Adresse der/des Referentin/en und beigefügter Zusammenfassung/en (20-30 Zeilen) bitte bis

spätestens zum 31. Mai 2006

(Sektionsanmeldungen ohne Zusammenfassungen bitte bereits

vorab zum 31. März 2006)

eingeschickt werden, und zwar an den
  • Präsidenten der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte
    Prof. Dr. Mitchell Ash
    Institut für Geschichte
    Universität Wien
    Dr. Karl-Lueger-Ring 1
    A-1010 Wien
    (E-mail: mitchell.ash[at]univie.ac.at)
oder an den
  • Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik
    Prof. Dr. Herbert Mehrtens
    Historisches Seminar
    Technische Universität Braunschweig
    D-38023 Braunschweig
    (E-mail: h.mehrtens[at]tu-bs.de)
Ein Weblog mit Informationen und Meinungen rund um Fragen der Kulturwissenschaftlichen Technikforschung

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Gerrit Herlyn
Deutungsmuster und Erzählstrategien bei der Bewältigung beruflicher Krisenerfahrungen In: Seifert, Manfred/Götz, Irene/Huber, Birgit (Hg.): Flexible Biographien. Horizonte und Brüche im Arbeitsleben der Gegenwart. Frankfurt u. a. 2007, S. 167-184.








Anika Keinz, Klaus Schönberger und Vera Wolff (Hrsg.)
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