Vorsprung durch Technik (1)

"Vorsprung durch Technik" - dieser Slogan stammt aus der AUDI-Automobilwerbung. Wikipedia klärt uns auf:

"Im Januar 1971 findet der Slogan „Vorsprung durch Technik“ zum ersten Mal für den NSU Ro 80 (mit Wankelmotor) Verwendung in einer Werbeanzeige. Dieser wird für lange Zeit zum Synonym für Audi."


Im folgenden möchte ich in unregelmäßigen Abständen Materialien zu diesem Thema aus der nichtdeutschsprachigen Welt zusammentragen.

Meine ersten Irritationen diesbezüglich erfuhr ich nämlich, wie ich bei der Durchsicht von englischsprachigen Theoriezeitschriften wie "Marxism Today" Anfang der 90er Jahre häufig auf den Satz in Deutsch gestoßen bin.

Vollends irritierte mich ein Erlebnis in Birmingham anno 1992 bei einem Konzert der isländischen Band Sugarcubes (ja mit Björk) der männliche Cheerleader der Band ebenfalls diesen Satz auf Deutsch ins Mikrofon deklarierte. Das begann für mich interessant zu werden.

Da ich heute auf eine ganzseitige Anzeige (wohl aus einer Computerzeitschrift) von "Maschek Automobile Wackersdorf GmbH" mit eben diesem Slogan "Vorsprung durch Technik" für den Audi A4 Avant, gestoßen bin, die uns den Apple iPod als Gratiszugabe zum Audileasing verspricht, erinnerte ich mich an diese Irritation.

Nach ein bißchen Suchen lässt sich herausfinden, dass AUDI selbst mit eben diesem Slogan auf Deutsch im englischsprachigen Raum wirbt:
"Welcome to Audi - Vorsprung durch Technik."

Audi erklärt den Slogan seinen Kunden wie folgt:
"MANY HAVE ASKED THE MEANING OF VORSPRUNG DURCH TECHNIK.
ALLOW US TO EXPLAIN:

Audi has a formidable history that owes much to the culture of Vorsprung durch Technik. 1st to break the 400kph land speed record. 1st to realise the benefits of aluminium. 1st to perform systematic crash tests. 1st to introduce a permanent four-wheel drive rally car. 1st, 2nd & 3rd at Le Mans.
1st May 2003. The new Audi A8. With a vast array of technical innovations, the new Audi A8 is the very latest manifestation of Vorsprung durch Technik."


Ausserdem stoßen wir auf einen Erklärungsversuch in "The Phrasefinder" (Phrases, sayings and idioms at The Phrase Finder)

Meaning: German for 'Progress through technology'.
Origin: Used in adverts in the 1990s to capitalise on the German reputation for high technical expertise.


Dieser Eintrag provoziert wiederum Rede und Gegenrede.

Soviel mal für's erste

Konstanzer Leibnizpreisträger Koschorke rechnet mit deutscher universitärer Forschungslandschaft ab

Anton Tantner verweist im Adress-Comptoir auf eine Rezension des Luzerner Historikers Valentin Groebner des bereits 2004 bei Suhrkamp erschienen Buches:
Kimmich, Dorothee/ Thumfart, Alexander (Hg.): Universität ohne Zukunft? Frankfurt/M. 2004: Suhrkamp es 2304. Über diese Rezension ist A. Tantner auf den Beitrag des Konstanzer Leibnizpreisträgers Albrecht Koschorke gestoßen (Koschorke, Albrecht: Wissenschaftsbetrieb als Wissenschaftsvernichtung. Einführung in die Paradoxologie des deutschen Hochschulwesens, in: Kimmich, Dorothee/Thumfart, Alexander (Hg.): Universität ohne Zukunft? Frankfurt am Main: Suhrkamp es 2304, 2004, S. 142-157.)

Und Tantners Zusammenfassung des Textes macht auch Lust auf den ganzen Text:

"Der Artikel von Albrecht Koschorke ist einfach atemberaubend gut, eine witzige und zutreffende Analyse des (nicht nur) deutschen Wissenschaftsbetriebs. Koschorke attestiert dem System wechselseitiger Begutachtung, oft zur Reduzierung von Innovation (149) beizutragen, bedauert den Kursverfall des für die Wissenschaft doch so essentiellen Inkommunikablen - In welchem Ranking spielt Konzentration eine Rolle, die eine Tochter des Schweigens ist? (153) -, kritisiert die befristete Juniorprofessur und die Graduiertenkollegs; letztere liefen auf eine Verschulung der Promotionsphase (154) hinaus. Ganz allgemein sei mit den Reformen der letzten Jahre die Kontrollgesellschaft (...) in der Wissenschaft angekommen; Innovation durch Dissens wird erschwert (155). Und wenn schon eine leistungsgerechte Belohnung von ProfessorInnen, dann nicht mittels Geld, sondern mittels Zeit: Zeit ist im Wissenschaftsbetrieb die wahrhaft knappe Ressource, und ein Belohnungssystem, das zusätzlich freie Forschungsphasen in Aussicht stellte, würde viel stimulierender wirken (...) (157)."

Ich möchte aber auch noch ein paar Auszüge von V. Groebner zum Besten geben:

"Die bedrängten Gelehrten rächen sich listig damit, dass sie ihre
Selbstdarstellungs- und Antragsprosa mit flott übernommenen
angelsächsischen Begriffen aufblasen, die den angelsächsischen Jargon der Unternehmensberater parodieren. Das Ergebnis ist ein Wörterwald von bizarrem Reiz, ein grossspuriges und dadaistisches Deppenenglisch. Was mit "soft skills" oder "employability", Eexcellence" oder "advanced studies" jeweils genau gemeint ist, bleibt dabei offen. Als eine Art eierlegende Wollmilchsau versprechen die Geisteswissenschaften der Zukunft offensichtlich schlechthin alles zu vermitteln. Ausser anständiges Englisch.
In "Universität ohne Zukunft?" ist es der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke, der in einem höchst lesenwerten und witzigen Beitrag einige Paradoxa des Hochschulbetriebs und der alltäglichen Arbeit eines Professors beschreibt. Der Historiker Dieter Langewiesche steuert ein gelassenes und kluges Plädoyer zur Unternehmensferne der Geisteswissenschaften als Chance bei."


Es folgen noch Anmerkungen zu einigen weiteren Beiträge, die offensichtlich eher Zeugnis ablegen von dem was sie vordergründig beklagen.
Ein Weblog mit Informationen und Meinungen rund um Fragen der Kulturwissenschaftlichen Technikforschung

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Gerrit Herlyn
Deutungsmuster und Erzählstrategien bei der Bewältigung beruflicher Krisenerfahrungen In: Seifert, Manfred/Götz, Irene/Huber, Birgit (Hg.): Flexible Biographien. Horizonte und Brüche im Arbeitsleben der Gegenwart. Frankfurt u. a. 2007, S. 167-184.




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