CFP: Technik und Wissen

CFP: Gesellschaft für Technikgeschichte
11.05.2007-13.05.2007, TU Bergakademie Freiberg
Deadline: 12.01.2007

Technik und Wissen

Technik kann ohne Wissen weder hergestellt noch genutzt werden. So allgegenwärtig "Wissen" demnach auch in der Geschichte der Technik ist, birgt die Analyse der historischen Dimension solcher Wissensformen nicht unerhebliche methodische und konzeptionelle Herausforderungen. Ziel der wissenschaftlichen Jahrestagung der GTG im Mai 2007 in Freiberg ist es, in diesem auch tagespolitisch viel diskutierten Themenfeld eine Sichtung von Ansätzen und Fallstudien zu ermöglichen und Potentiale wie Probleme einer Wissensgeschichte der Technik im interdisziplinären Austausch zu diskutieren.

Wenn es richtig ist, dass Wissen als eigenständiger Produktionsfaktor zunehmend an Bedeutung gewinnt, lässt sich die Debatte über die Wissensgesellschaft auch als Aufforderung an die Technikgeschichte verstehen, neu über das Verhältnis von materieller Technik und technischem Wissen, von Technik und Technologie nachzudenken. Im Rahmen der Tagung ist demnach zu prüfen, inwiefern derzeitige Debatten um Formen des Wissens in benachbarten Wissenschaftsdisziplinen für die Technikgeschichte fruchtbar gemacht werden können. Die Technikgeschichte könnte besonders geeignet sein, laufende Debatten um die "Wissensgesellschaft" historisch zu fundieren, weil sie eine oft unreflektierte Grundannahme dieser Debatte stets bezweifelt hat: die Auffassung, dass die modernen Wissenschaften der entscheidende Motor gesellschaftlichen Wandels seien. Gegenüber einem solchen wissenschaftseuphorischen Tenor wurde vielfach gezeigt, dass ein Verständnis von Technik als "angewandter Wissenschaft" historisch nicht haltbar ist. Entsprechende Debatten erfolgen dabei mit Bezug auf unterschiedliche Konzepte. Neben Gegenüberstellungen wie "science-based industry" versus "industry-based science" ist beispielsweise an Konzepte wie das der "Technoscience" zu denken, das eher gemeinsame Erfahrungen und Wissensressourcen zu bestimmen sucht. Neue empirische Fallstudien aus technikhistorischer Perspektive zu diesem Spannungsfeld könnten einen thematischen Schwerpunkt der Tagung bilden – insbesondere unter der Frage, ob wissenschaftliches und nichtwissenschaftliches Wissen sich jeweils eher ergänzen oder miteinander konkurrieren.

Darüber hinaus werden in der Technikgeschichte seit langem verschiedene Konzepte der "tacit knowledge", des "gestischen Wissens" oder des "habitualisierten Wissens" diskutiert. Ohne sie sind Entwurf, Produktion und Nutzung technischer Artefakte ebenso undenkbar wie die Durchführung komplexer technischer Verfahren. Neben "tacit knowledge" lassen sich zudem spezifische Wissensformen als Produktionsfaktoren von Technik bestimmen, die durch die Nutzung bestimmter Medien und Repräsentationsformen in der einen oder anderen Weise formalisiert sind.
Über Quellenbestände wie Zeichnungen, Modelle oder Aufschreibesysteme sind sie zuweilen vergleichsweise leicht zugänglich. Ihre Nutzung ist seit den antiken Hochkulturen belegt, in der Moderne haben sie kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Auf all diesen Ebenen wären Fallstudien erwünscht, die entsprechende Wissensformen, ihre institutionelle Einbettung und ihre historische Entwicklung untersuchen, sei es mit Bezug auf die Produktion, sei es mit Bezug auf die Nutzung von Technik. Interessant wären zudem Beiträge, die direkte Vergleiche zwischen von Entwicklerseite antizipiertem "Nutzerwissen" und eigenständigen Nutzungsweisen von Technik aufgrund anders gelagerter Erfahrungsbestände ziehen. Denkbar wäre es auch, die Leitfrage der Tagung als eine museologische Aufgabe zu thematisieren. Hier ginge es etwa um die Herausforderung, zusammen mit Exponaten auch das dazugehörige Wissen zu „archivieren“, sowie die Adaption der Präsentationsweisen von Exponaten an das vermutete Vorwissen der Besucher.

Bei der Suche nach technikspezifischen Wissensformen sind zuletzt
vielfach die kontingenten Aspekte technisierter Wissenskulturen betont worden, verkörpert durch die "Tücke des Objekts" ebenso wie die einschränkende Wirkung der natürlichen wie technischen Materialität in wissensbasierten Konstruktionsprozessen. Auch wenn technisierte Wissenskulturen ein hohes Maß an Kontrollfunktionen aufweisen, mag durchaus bezweifelt werden, ob Formen technischen Wissens tatsächlich Kontrolle über Erscheinungsformen von Mensch und Natur garantieren. Mit der zunehmenden Anerkennung solcher Faktoren wie Emotion, Intuition und Kreativität im technischen Innovationsgeschehen gewinnen zudem zwei weitere Fragen an Bedeutung: Zu welchem Grad ist technisches Wissen tatsächlich ein Produkt rationaler Erkenntnis? Und: Durch welche Beglaubigungsformen wird es legitimiert?

Vortragsvorschläge zum Rahmenthema sind aus allen Teilbereichen der Technik wie auch aus allen Epochen willkommen. Mit Blick auf die
Kohärenz des Programms sollten sie jedoch explizit auf Aspekte der oben skizzierten Debatten Bezug nehmen.

Abstracts (max. 500 Wörter) schicken Sie bitte bis zum 12. Januar 2007
an:

Dr. Frank Dittmann
Deutsches Museum
Museumsinsel 1
D-80538 München

f.dittmann[at]deutsches-museum[dot]de

CfP: Erb.gut? Kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft (Österreichische Volkskundetagung)

Call for papers
Österreichische Volkskundetagung
Innsbruck, 14.-17. November 2007

Die nächste Österreichische Volkskundetagung wird vom Österreichischen Fachverband für Volkskunde, dem Verein für Volkskunde und der Österreichischen UNESCO-Kommission: Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe in Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Kollegenschaft vom 14.-17. November in Innsbruck veranstaltet. Als Generalthema der Tagung wurde vereinbart:

Erb.gut?
Kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft


Die Begriffe Cultural Heritage, Patrimoine und Kulturelles Erbe wurden nicht nur zu inflationär verwendeten Modewörtern in öffentlichen sozialen, kulturellen und politischen Diskursen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Dahinter stehende Konzepte ebenso wie Bestrebungen zu deren praktischer Umsetzung wurden zugleich zum Gegenstand vielfältiger wissenschaftlicher Reflexion, an der sich auch die Europäische Ethnologie / Kulturanthropologie / Volkskunde verschiedentlich beteiligt hat. Dennoch sind sowohl die kulturtheoretischen Hintergründe des Erbebooms als auch deren praktische Konsequenzen erst in Ansätzen erhellt. Die österreichische Volkskundetagung 2007 möchte die entsprechenden Diskussionen auf mehreren Ebenen interdisziplinär weiterführen.

Unter den Fragen, die uns dabei besonders interessieren, sind: Worauf könnte die Konjunktur des Kulturellen Erbes grundsätzlich verweisen? Was sagt uns das fast zwanghaft anmutende Bewahren-Wollen über unser Verhältnis zu Vergangenheit aber auch Gegenwart und Zukunft? Angenommen wir sähen in den Erbeaktivitäten zumindest auch Symptome einer gesellschaftlichen und kulturellen Krise, worin lägen deren Ursachen? Ist Kulturelles Erbe lediglich ein neues Label für Tendenzen, die seit dem Einsetzen der Moderne mit Begriffen wie Historisierung, Musealisierung oder Denkmalschutz umschrieben wurden? Oder: Können wir in der hier nicht zu übersehenden Aufwertung lokaler Kultur die andere Seite der Globalisierung, eine ‚Nebenfolge’ der Modernisierung erkennen? Was sollen die unterschiedlichen Bewahrungs- und Revitalisierungsaktivitäten über die nahe liegenden ökonomischen Nutzungsmöglichkeiten hinaus bewirken? Von wessen Erbe reden wir eigentlich? Wer sind die Erben und wollen diese überhaupt erben? Und wer entscheidet über die Würde oder Bürde des Kulturellen Erbes? In welchem Maße finden dunkle, bedrückende Aspekte des kulturellen Erbes Berücksichtigung? Was passiert mit jenen Objektivationen, die den Titel kulturelles Erbe erhalten? Wie ist deren kulturelle Konsistenz? Welche Probleme bringt das ständig wachsende Kulturelle Erbe in Hinblick auf Erhaltung, Lagerung und irgendwann einmal Entsorgung mit sich? Wie ist das Verhältnis von Kulturellem Erbe und Innovationen? Diese und weitere Fragen sollen im Rahmen der Tagung unter vier thematischen Schwerpunkten diskutiert werden.

1. Materielles und immaterielles Erbe
2. „Vom Nutzen und Nachteil“ des Erbens
3. Kulturelles Erbe und Tourismus
4. Natur als kulturelles Erbe

1. Materielles und immaterielles Erbe
Durch die Hinwendung der UNESCO zum immateriellen Erbe eröffnet sich gerade für die Europäische Ethnologie ein weites Feld von Fragestellungen. Unter diesem Subthema möchten wir zu Beiträgen einladen, die sich z.B. mit der Rolle der Kulturorganisation der Vereinten Nationen im Diskurs über das Kulturelle Erbe beschäftigen, mit Chancen und Grenzen des Begriffs und Konzepts safeguarding insbesondere in Bezug auf das Intangible Cultural Heritage, mit dem Verhältnis von materiellem und immateriellem Erbe, der Problematik von Original und Kopie oder den vielfältigen Aktivitäten im Bereich des digital heritage.

2. „Vom Nutzen und Nachteil“ des Erbens
Die Industrie des kulturellen Erbes produziert eine bunte Vielfalt von Erzeugnissen, die alt aussehen, aber neu sind, die genützt werden wollen und neben Chancen auch Nachteile mit sich bringen, jedenfalls immer Verantwortung evozieren. Unter diesem Subthema könnten Beiträge versammelt werden, die sich kritisch mit Nutzungs- und Wirkungsaspekten Kulturellen Erbes, mit Entscheidungskriterien und -mechanismen, mit möglichen Auswirkungen auf die Identität sozialer Gruppen, aber auch mit dem Umgang mit dem Erbe von Minderheiten, etwa Menschen mit migrantischem Hintergrund oder mit der Frage nach einem gemeinsamen europäischen Erbe auseinandersetzen.

3. Kulturelles Erbe und Tourismus
Auch wenn es nicht so gedacht gewesen sein mag: Die intensivste Nutzung oder Bewirtschaftung erfährt das Kulturelle Erbe in allen seinen Ausdrucksformen gleich wie die Museen durch den Tourismus. Das dritte Subthema der Tagung möchte den Aspekt der touristischen Nutzung bzw. Verwertung des Erbes vertiefen. Referate könnten sich anhand von Fallstudien kritisch mit dem Beziehungsgeflecht Tourismus und Kulturelles Erbe auseinandersetzen.

4. Natur als kulturelles Erbe
Das vierte Subthema ist als weitere Vertiefung und Ergänzung des dritten gedacht. Parallelen in den Bedrohungsinszenarien von Natur und Kultur und in den damit begründeten Unterschutzstellungen verweisen nicht nur auf das zunehmende Ineinandergreifen der beiden Sphären, sondern auch auf eine Tendenz zunehmender Kulturalisierung von Natur. Unter diesem Subthema wäre etwa allgemein nach den Grenzen und Übergängen zwischen Natur und Kultur zu fragen, nach der Inszenierung von Naturräumen, wären aber auch z.B. Natur- und Kulturerbestätten vergleichend zu analysieren.

Abstracts:
An die Abstracts werden folgende Anforderungen gestellt:
Sie sollten eine DIN A4-Seite nicht überschreiten (max. 2.400 Zeichen inkl. Leeranschläge) und in gedruckter oder elektronischer Form (Doc oder PDF-Format) eingereicht werden und sollten Angaben über den beruflichen Werdegang und die derzeitige Tätigkeit der Bewerberin / des Bewerbers enthalten.
Neben einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung sollen sie Angaben über die Fragestellung und die empirische Basis enthalten bzw. Auskunft über den Kontext geben, in dem die Arbeit entsteht, ggf. mit Angaben zu bereits vorliegenden Veröffentlichungen, den Stand der Arbeit bzw. erste Ergebnisse.
Es sollte sich um neue und unveröffentlichte Forschungsbeiträge handeln.

Einsendungen werden bis 15. Januar 2006 unter dem Stichwort „Österr. Volkskundetagung 2007“ an folgende Adresse erbeten.

Karl C. Berger
Karl.C.Berger[at]uibk[dot]ac[dot]at
Institut für Geschichte und Ethnologie
Fach: Europäische Ethnologie/Volkskunde
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck

Der Vorstand des österreichischen Fachverbands wird gemeinsam mit den Mitveranstaltern im Feber 2007 über die eingelangten abstracts befinden, das endgültige Programm festlegen und im Frühjahr 2007 veröffentlichen.
Ein Weblog mit Informationen und Meinungen rund um Fragen der Kulturwissenschaftlichen Technikforschung

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Gerrit Herlyn
Deutungsmuster und Erzählstrategien bei der Bewältigung beruflicher Krisenerfahrungen In: Seifert, Manfred/Götz, Irene/Huber, Birgit (Hg.): Flexible Biographien. Horizonte und Brüche im Arbeitsleben der Gegenwart. Frankfurt u. a. 2007, S. 167-184.








Anika Keinz, Klaus Schönberger und Vera Wolff (Hrsg.)
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