Nacht des Wissens in Hamburg

Das Forschungskolleg nimmt am 9. Juni mit einer Vortragsreihe unter dem Titel »Die Elektrifizierung der Kommunikation. Stationen der Kommunikationsgeschte vom Telegraphen zum Weblog« an der diesjährigen Nacht des Wissens in Hamburg teil.

Alle Vorträge finden im ESA West, Edmund-Siemers-Allee 1, Raum 220 statt.

17:00 Uhr
Andreas Reucher M.A. »Buchdruck - Geschwindigkeit: Schnellpressen, Rotationsdruck«

18:00 Uhr
Katrin Petersen M.A. »Die Telegrafie. Beschleunigung und Ausweitung der Kommunikation«

19:00 Uhr
Uta Rosenfeld M.A. »Telefon / Telemagie«

20:00 Uhr
Prof. Dr. Thomas Hengartner »’Mich hört man überall’. Die Veralltäglichung des Rundfunks«

21:00 Uhr
Christine Oldörp M.A. »fern-sehen«

22:00 Uhr
Gerrit Herlyn M.A. »Das Erreichbarkeitsversprechen. Der Weg des Mobiltelefons in den Alltag«

23:00 Uhr
Anneke Wolf M.A. »Auf den Tag gereimt. Weblogs als Formen chronologischen Schreibens im Internet«

00:00 Uhr
Julia Cöllen »YouTube - Broadcast yourself«

DFG-Projekte beim Wissenschaftssommer

lautete die Überschrift der Aussendung der DFG (Nr. 31, 04. Juni 2007) zum Wissenschaftssommer 2007 und zur Beteiligung des Instituts für Volkskunde bzw. des Forschungskollegs Kulturwissenschaftliche Technikforschung:

"Ausstellung informiert über "Gegenwart und Zukunft der Kommunikation"

Sprach- und Kommunikationsforschung stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten, mit denen sich Projekte aus der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beim diesjährigen Wissenschaftssommer in Essen präsentieren. Vom 9.-15. Juni laden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf den "Jahrmarkt der Wissenschaften" am Kennedyplatz ein, um ihre Forschungsergebnisse vorzustellen und mit Besuchern ins Gespräch zu kommen. Die Ausstellung "Gegenwart und Zukunft der Kommunikation", die am Institut für Volkskunde der Universität Hamburg entstanden ist und mit Unterstützung der DFG in Essen erstmals gezeigt wird, beleuchtet die Beziehung von Menschen und Kommunikationsmedien im Alltag. (...)

Die Ausstellung "Gegenwart und Zukunft der Kommunikation" geht zurück auf Forschungsarbeiten unter der Leitung des Leibniz-Preisträgers Thomas Hengartner, bei denen untersucht wurde, in welcher Weise Technik - insbesondere Kommunikationsmedien wie das Mobiltelefon und das Internet - den menschlichen Alltag durchdringt und verändert. Die Ausstellung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Seine Erfahrungen im technisierten Alltag sind nicht nur Gegenstand der Ausstellungsinhalte, sondern können von den Besuchern auch selbst in die Ausstellung eingebracht werden: Sie können ausprobieren, sich austauschen und ihre eigenen Deutungen integrieren. Die Hamburger Wissenschaftler bieten täglich Führungen durch die Ausstellung an. Die Wanderausstellung wurde gemeinsam vom Institut für Volkskunde der Universität Hamburg und dem Hamburger Museum für Kommunikation konzipiert und realisiert und in Essen erstmals gezeigt."

Zur Debatte der Volkskunde mit den Kulturwissenschaften

hat sich Markus Tauschek (Göttingen), der heute Abend im Rahmen der Hamburger hgv-Vortrags-Reihe refereriert, in einer Rezension in der Zeitschrift für Volkskunde (103/2007/2, 117-119) geäußert.

In seiner Besprechung von "Nünning, Angar (Hg.): Grundbegriffe der Kulturtheorie und Kulturwissenschaften. Stuttgart u.a. 2005" kritisiert er das eingeschränkte Kulturwissenschafts-Verständnis von Ansgar Nünning, dessen Titel eine hohe Erwartung erwecke, aus der Sicht der Nachfolgediszplinen der Volkskunde.

Dabei moniert er die Reduktion der Kulturwissenschaften auf eine literaturwissenschaftliche Perspektive. Mit Verweis auf Begriffe wie Liminalität, Kitsch, Performance, narrativistische Ansätze kritisiert er das Unerwähnt-Lassen all jener Arbeiten, die diese Begriffe oder Ansätze tatsächlich "kulturwissenschaftlich" untersuchen:

"Aus der disziplinären Perspektive der Kulturanthropologie stell sich rasch die Frage, woher in den Artikeln dieses mitunter eingeschränkte Verständnis von Kulturwissenschaft rührt. Ein Blick in den vom Herausgeber selbst geschriebenen Artikel zum Stichwort 'Kulturwissenschaft' gibt darüber Aufschluss. In einer Annäherung an den sicherlich teilweise problematischen Sammelbegriff 'Kulturwissenschaft' schreibt Nünning: 'Der begrifflichen Klarheit wenig förderlich ist es, auch die Volkskunde oder Europäische Ethnologie als Kulturwissenschaft zu bezeichnen' (125). Warum hier die Disziplin Volkskunde, die ja an einigen Universitäten durchaus auch den Begriff 'Kultur' in ihrer Fachbeschreibung trägt (Empirische Kulturwissenschaft, Kulturanthropologie etc.) vom Herausgeber offensichtlich nicht als Kulturwissenschaft verstanden wird, bleibt unklar, hat aber große Auswirkungen auf die Konzeption des Bandes."

Nun zu dieser Frage könnte einem schon einiges einfallen, geht es doch bei dem 'Hijacken' des Begriffes "Kulturwissenschaft" doch vor allem um eine Modernisierung der klassischen Geisteswissenschaften bei Beibehaltung der meisten Reduktionismen eines hochkulturellen Begriffes von Kultur
(Vgl. hierzu einige frühere Einträge in diesem Blog (etwa anlässlich der Wiener IfK-Diskussion zur Lage der Kulturwissenschaften oder zu Ute Daniels Ausführungen).

M. Tauschek analysiert immerhin, wie diese Bemächtigungsstrategie funktioniert:

"So werden zwar die Begriffe im Hinblick im Hinblick auf ihre Bedeutung für Textproduktion, -rezeption, Literaturkritik etc. diskutiert, die lebensweltlichen und alltagskulturellen Bezüge fehlen jedoch meist.. Dabei dürfte es doch klar sein, dass Kultur als Handlung, als Denkform und Symbolsystem nicht nur den wissenschaftlichen Blick auf literarische Texte erfordert. Es wäre also durchaus mehr als förderlich, die Volkskunde/Europäische Ethnologie, die mit nahezu allen Begriffen des Einführungsbandes auch operiert, als eine Kulturwissenschaft zu bezeichnen."

Schließlich verweist er darauf, dass auch Elisabeth Timm in einer Rezension eines Sammelbandes der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaft mit dem Schwerpunkt "Europäische Ethnologie" in: Volkskunde in Niedersachsen 2/2006) bereits angemerkt hat, wie die "ältere Kulturwissenschaft" Volkskunde ignoriert und an den Rand gedrängt wurde. Als weiteres Beispiel hierfür nennt er auch Aleida Assmanns Sammelband "Positionen der Kulturanthropologie".

Abschließend betont der Rezensent:

"Insgesamt bleibt am Ende der Lektüre [von Nünning] ein fahler Beigeschmack. Die viel strapazierte Rede einer umfassenden Interdisziplinarität scheint der Band durch das implizite Ziehen neuer Grenzlinien stellenweise zu unterwandern. 'Schade', so möchte man am Ende der Durchsicht fast ein wenig resigniert schreiben. Doch dieser Band fordert auch heraus, die eigene Fachperspektive stark zu machen und die eigenen disziplinären Trümpfe vielleicht besser auszuspielen."

Schon richtig. Aber offenbar ist hierzu nur wenig Bereitschaft vorhanden.

Heute: HGV-Vortrag mit Markus Tauschek (Göttingen) über "immaterielles Welterbe auf dem Prüfstand der UNESCO"

Im Rahmen der Vortragsreihe der Hamburger Gesellschaft für Volkskunde (hgv) referiert heute, Dienstag, 5. Juni 2007, 19.15 Uhr ein Vortrag von Markus Tauschek M.A. (Universität Göttingen) über
»Der Kultur-TÜV? Das immaterielle Welterbe auf dem Prüfstand der UNESCO«
Ein Weblog mit Informationen und Meinungen rund um Fragen der Kulturwissenschaftlichen Technikforschung

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Publikationen aus dem Forschungskolleg










Gerrit Herlyn
Deutungsmuster und Erzählstrategien bei der Bewältigung beruflicher Krisenerfahrungen In: Seifert, Manfred/Götz, Irene/Huber, Birgit (Hg.): Flexible Biographien. Horizonte und Brüche im Arbeitsleben der Gegenwart. Frankfurt u. a. 2007, S. 167-184.








Anika Keinz, Klaus Schönberger und Vera Wolff (Hrsg.)
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