Kongress2007

 

Kongress-Review (II): Deutschlandfunk-Sendung über Hamburger Technikkongress

Im Rahmen der Deutschlandfunk-Reihe "Studiozeit – Aus Kultur und Sozialwissenschaften" berichtete Hans-Peter Ehmke über den II. Kongress "Kulturwissenschaftliche Technikforschung". Unter dem Titel "Von musizierenden Automaten und dem Klangraum Auto" portraitiert er zum einen das Forschungskolleg, zum anderen aber versucht er einige der verschiedenen auf dem Hamburger Kongress vertretenen Ansätze von Technikforschung zu Wort kommen zu lassen.
Der Beitrag lässt sich hier im mp3-Format nachhören.

Darüber hinaus interviewte er auch Hermann Bausinger, der dort nochmals einen Aspekt der Abendveranstaltung zu "Volkskultur in der technischen Welt" am Eröffnungstag unterstrich:

„Mir war es wichtig zu zeigen, dass die Technik zum Volksleben gehört, dass sie also kein Fremdkörper ist, sondern dass sie integriert ist. Und wenn man will, kann man davon ausgehen, dass die menschliche Kultur eigentlich mit der Technik anfängt, egal ob ich an das Feuer denke oder an andere Errungenschaften, das sind technische Errungenschaften. Und man kann natürlich von der Gegenwart ausgehen, wo es einfach undenkbar ist, dass jemand ohne technische Geräte ohne technische Kommunikationsvorgänge lebt."
 

Kongress-Review

Lutz Freudenberg, Referent beim II. Kongress Kulturwissenschaftliche Technikforschung, betreibt auch ein Weblog (LSF). Ausserdem hat ihm das Kongress-Blogging gefallen.
 

II. Kulturwissenschaftlicher Technikfoschungs-Kongress erfolgreich beendet (16)

Nun ist auch der II. Kongress Kulturwissenschaftliche Technikforschung vorüber. Das Forschungskolleg bedankt sich bei allen ReferentInnen und MitarbeiterInnen vor Ort für ihre Mühe und ihren Einsatz. Wir hoffen alle TeilnehmerInnen sind gut nach Hause gekommen. Ferner hoffen wir, dass die Vorträge auch Anregungen für Ihre Arbeit geboten haben und können umgekehrt bestätigen, dass wir Ihre inhaltlichen Anregungen sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen haben. Nochmal herzlichen Dank!

Vielleicht ist es noch zu früh für ein erstes Fazit. Aber wie schon 2005 hat sich auch dieses Malg gezeigt, in welcher Weise die Fragestellung fruchtbar ist und vor allem wie anschlussfähig die volkskundlich-kulturwissenschaftliche Technikforschung ist. Insofern bestätigte sich die Hypothese von der Querschnittsdimension Technik, die den soziokulturellen Wandels zwar nicht hinreichend erklärt, aber eine notwendige Voraussetzung für ein solches Unterfangen darstellt.
 

Theo Röhle über die "Suche nach dem Kunden" - Suchmaschinen (15)

In der Sektion GESELLSCHAFTLICHE VERHANDLUNG VON TECHNIK´spricht nun Theo Röhle (Köln/Hamburg) über die "Suche nach dem Kunden. Suchmaschinen zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und wirtschaftlichem Kalkül"

Theo Röhle beginnt mit einer Gegenüberstellung zweier Zitate der Betreiber der Suchmaschine Google. Dabei konstatiert er einen Übergang von einer eher auf Informationsbereitstellung angelegten zu einer mehr Werbung verkaufenden Selbstdarstellung.

1. Entwicklung der Suchmaschinen
Mit dem Pageranking-Verfahren konnte Google den Suchmaschinenmarkt beherrschen. Yaoo und Microsoft haben erst 2003 eigene Verfahren zu entwickeln.

2. Suchmaschinennutzung in Dtl.
Wie sieht so ein Suchtag in Dtl. aus.
88,6% nutzen Google (22.5.2007), eigentlich 91,9% wenn man noch die Anbieter hinzuzählt, die Google implementiert und deren Daten nutzen. Die anderen Anbieter krebsen zwischen 3 und 2 %

3. Entwicklung Suchmaschinenmarketing

Theo Röhle führt in einer Zeitleiste die Entwicklung des Suchmaschinenmarketings aus. Dabei konstatiert er zwei zentrale Entwicklungen (Bannerwerbung und kontextrelevante Verfahren).

seit 1994: Banner-Werbung
ab 1998: Kontextrelevantes Verfahren. Umdeutung eines
informationsbedürfnisses in ein Konsumtionsverfahrens.
(Contextual Advertising: goto.com)
2000 Google entwickelt hierzu ein eigenes System (Adwords)
2001 (Umbenennung: Overture)
2003 Yahoo: AdSense
2005 Yahoo Search Markeing
2006 MSN AdCenter
2007 Aufkauf seitens Google, Yahoo und MSN von Firmen, die
Surfverhalten analysieren

4. Suchmaschinenforschung
Das Gatekeeper-Konzept
Die Suchmaschinen werden mittels des eigentlich schon begrabenen Gatekeeper-Konzept analysiert. Das Netzwerk-Gatekeeper-Konzept wurde bisher ignoriert.

5. Gesellschaftliche Verhandlung von Technik
Theo Röhle bezieht sich auf dabei zum einen auf Foucault Konzept der Macht als Schaffung eines Möglichkeitsfeldes.
Zum anderen bezieht er sich auf die aktuelle Netzwerktheorie. Zentral ist dabei ein konzept der Technik als Übersetzung
Angewendet auf die Technik "Suchmaschine":

Gleichberechtigter Informationszugang - Suchmaschine - Ermittlung von Nutzerdaten

NGOS, Politik, presse, Selbstkontrolle, Wissenschaft
versus
Entwicklung, Markt und Betreiber.

Schließlich unternimmt T. Röhle sein
Fazit zum Dispositiv Suchmaschine
  • Produktive Machteffekte durch Erleicherung des Informationszugangs
  • Diversifizierung von Interessen statt Gleichrichtung
  • Aber: Beibehaltung der Kontrolle
  • Umdeutung von Informationsbedürfnissen in Konsumtionsbedürfnissen
Der abschließende Bezug auf den Postskriptum-Kontrollgesellschaften-Text von Gilles Deleuze wurde etwas kulturpessimistisch rezipiert.
Aber dazu gibt der eigentlich keinen Anlass, denn der erste Abschnitt endet zwar mit der Feststellung, dass diese neue "Kontrollmechanismen, (...) den härtesten Einschließungen in nichts nachstehen. Weder zur Furcht noch zur Hoffnung besteht Grund, sondern nur dazu, neue Waffen zu suchen"

Zugleich wurde gefragt wo in seiner Analyse die im Dispositiv-Konzept nicht unwichtigen Nutzer vorkommen. Ein Hinweis hierzu. Wenn man mal in einigen Weblogs überprüft, woher die Besucher der Webseite kommt, dann sind das überwiegend SuchmaschinennutzerInnen. Und wenn man sich die Begriffe anschaut und dann sieht, wo sie gelandet sind, dann zeigt sich doch, dass Überraschungen und eigensinnige Umwege durchaus möglich und gar nicht so selten sind (so Katrin, das wäre es gewesen, was ich noch anmerken wollte ;-)).

Anneke Wolf über "Schreiben on- und offline" (14)

Anneke Wolf (Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung) berichtet über ihr laufendes Projekt zu digitalen und analogen Tagebücher. Im Mittelpunkt steht der Prozess des Schreiben selbst. Die Folien für den Vortrag selbst sind hier downloadbar

Sie analysiert die Charakteristka von Weblogs (Herstellung von Zeitlichkeit, Veränderbarkeit, Schreibplanung, Öffentlichkeit, Hypertextualität etc.)

Im Kontext von Schreibplanung der Textproduktion konstatiert sie zwei Typen von SchreiberInnen.

1. Diejenigen, die schnell publizieren wollen ("Schnelles Schreiben als Merkmal von Authentizität")
2. Planende SchreiberInnen ("Werk"-Produktion)
3. Notizhafter Schreiber
4. Mischtyp

Im Kontext von "Öffentlichkeit" fragt sie nach
den Adressat von Weblogs und Tagebüchern. Sie konstatiert unterschiedliche Mittel des Ausschlusses von Öffentlichkeit oder der Adressierung

Reümee.
Gemeinsamkeiten sieht sie bei der Schreibplanung
Unterschiede in der Öffentlichkeit und Adressierung sowie in der Software.

3. Kongresstag beginnt mit Plenarvortrag von Margarete Jarchow über technische Repräsentation im Wilhelmismus (13)

Soeben hat der dritte Kongresstag des Kongresses Kulturwissenschaftliche Technikforschung begonne. Den Eröffnungsvortrag hält im Moment Margarete Jarchow (TU Hamburg-Harburg) über " Repräsentation durch technischen Fortschritt". Sie unternimmt "Kulturhistorische Betrachtungen zu Technologien und Medien als Instrumente der Selbstdarstellung Kaiser Wilhelms II. 1888-1914"
 

Gerrit Herlyn: Dörfliches Sprechen über Windkraftanlagen (12)

In einem weiteren Beitrag aus dem Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung referiert nun Gerrit Herlyn über "Dörfliches Sprechen über Windkraftanlagen. Zur kommunikativen Verhandlung neuer Technik".

Er berichtet am Beispiel eines Dorfes im norddeutschen Dithmarschen über das Sprechens über Windkraftanlagen und der Funktionen dieses Sprechens in diesem Dorf. Es geht ihm dabei in Anlehnung an Karl Heinz Hörning darum, wie Technikinnovationen in die "Mangel der Praxis" geraten.

In seinen Vortrag nimmt er hierfür zwei Modi des Sprechens in den Blick. Die vorgestellten Interviewpassagen interpretierte er dahingehen.

1. Nämlich wie über diese Erzählungen (vor allem anlässlich Pannen oder Probleme) die mit den Windkraftanlagen verbundenden Veränderungen im dörflichen Alltag artikuliert und gedeutet werden.

2. zeigt er wie mittels dem Sprechen über Windkraftanlagen zugleich auch über die Beziehungen zu anderen Dorfbewohner zum Vorschein kommen.

Michael Guggenheim: Technizität von Gebäuden (11)

In der SEKTION VI: DISKURSIVIERUNG VON TECHNIK AM BEISPIEL VON ARCHITEKTUR UND LANDSCHAFT spricht Michael Guggenheim (Univ. Zürich über "Was Gebäude (nicht) tun (sollen). Zum Status der Technizität von Gebäuden zwischen Kulturwissenschaft und Architekturtheorie"

Zunächst unternimmt er eine Definition von Gebäuden als Technologie (1)
Anschließlich behandelt er die Geschichte der Technisierung und Detechnisierung (2)
Danach ist die Technizität der Gebäude eine Konsequenz der Differenzierung von Gebäuden. Z. B. im Museum
Im zuge des Aufschwungs des Funktionsbegriffs (1920er Jahre) kommt es zu einer weiteren Technisierung (Corbusier)
Nach 1960 erfolgt die Detechnisierung: Gebäude wandeln sich zu Quasitechnologien
Damit verbunden sei der von Gerhards diagnostizierte "Aufstand des Publikums" (etwa gegenüber den Professionen)
Die Debatte drehte sich nun darum, ob dieser "Aufstand des Publikums" tatsächlich in den 70er Jahren verorten lassen.

Jan Staman: The Future of Technology Assessment (10)

Jan Staman ist Direktor des niederländischen Technikfolgenbüros, welches das nationale Parlament in Fragen der Technikfolgenabschätzung berät. Zunächst verweist er darauf, dass Technikfolgenabschätzung nicht nur Wissenschaft, sondern auch "Business" ist. Er berichtet über die Arbeit des Rathenau-Instituts:

Die Themen sind :
- Human Enhancement
- Brain Sciences,
- Aging
- Screening Society
- Digital Generation
- Ambient Intelligentce
- Social Robots
- Synthetic Biology

Politikberatung erfolgt in Bezug auf
- Parlament
- Organisation des öffentlichen Diskurs
und in weiteren Kontexten (Erziehung usw.)

Im folgenden skizzierte er das Selbstverständnis des Rathenau-Instituts in Bezug auf Wissenschaft und Politik. Zumeist trete das Institut als Auftraggeber von wissenschaftlichen Studien auf und fühlt sich eher für die Definition der Untersuchungen und Probleme, Mobilisierung von Expertenwissens sowie für die Organisation des öffentlichen Diskurses und Medieninformation zuständig.

How to communicate?


Darüber hinaus gibt es weitere Wege die Inhalte zu kommunizieren. Insbesondere der Kunstkontext wird von J. Staman betont.

Sie begeben sich auch auf das Feld der Poesie, Romane, SF, Essayistk, Theater, Filme, Festivals oder Dokumentarfilm.
Auch hier versuchen sie den Diskurs um Technikfolgen zu popularisieren.

Trends

- Internalizing TA in science strategy and policy
- TA and Innovation
- TA and forsight (
- TA and Science system assessment
- Broadingen to RELSA
- Evidence based contributions for public discourse
- Enlightment revisited
- USA/China syndrome
- Growing conceptual unease citizen participation
- the media are the message.

Kijan Espahangizi: Röhrennostalgie: (9)

Kijan Espahangizi (ETH Zürich) spricht über "Röhrennostalgie" und die "Erinnerungskulturen der Technik": Die zentrale These des Vortrages lautet, dass "diese bemerkenswerte kulturelle Beharrlichkeit der Röhre" im Kontext eines Generationenwechsels der Elektronik ab Mitte der 1950er Jahre" zu sehen sei, die zugleich "mit der Herausbildung einer technikzentrierten Erinnerungskultur einherging. Dabei wurde die Elektronenröhre, vormals Symbol modernen elektronischen Fortschritts, zur nostalgischen Projektionsfläche, zum Erinnerungsobjekt". (1. Die Röhre als kulturelles Objekt vor der Tranisistorära)


K. Espahangizi begründet seine These anhand dreier
Erinnerungskontexte:

1. Die Röhre als Gegenstand der Technikgeschichte.
2. Die Röhre in der DIY- und Amateurelektronik
3. Die Röhre in der Populärkultur (insbesondere Rockmusik)

Für K. Espahangizi laufen zwei Entwicklungen zusammen und führen zu einer Art generationenübergreifenden Konjunktur des Erinnerungsobjekts Röhre: Das war in den 90er Jahren einer Idealisierung von Handarbeit (Röhre) gegen die gesichtslosen industriell gefertigten Massengüter verbunden. Ganz ähnlich im übrigen wie im Kontext des Übergangs von der analogen zur digitalen Kultur und einer damit verbundene analoge Nostalgie (z.B. Vinyl, Super 8). Beides lässt sich wiederum in den Markt integrieren.

Das im Kontext der Röhre konstatierbare generationenverbindende Ressentiment bedinge "eine Art dinglich-metonymischer Verdichtung", es mache die Röhre quasi zum "Erinnerungsmedium einer analogen Klang- und Bildkultur, als Medium einer Erinnerungskultur der Technik".
Ein Weblog mit Informationen und Meinungen rund um Fragen der Kulturwissenschaftlichen Technikforschung

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Publikationen aus dem Forschungskolleg










Gerrit Herlyn
Deutungsmuster und Erzählstrategien bei der Bewältigung beruflicher Krisenerfahrungen In: Seifert, Manfred/Götz, Irene/Huber, Birgit (Hg.): Flexible Biographien. Horizonte und Brüche im Arbeitsleben der Gegenwart. Frankfurt u. a. 2007, S. 167-184.








Anika Keinz, Klaus Schönberger und Vera Wolff (Hrsg.)
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