MeinungenUeberTechnik

 

Meinungen über Technik (7): Schwäbisch-Bollywood

nannte sich 1995-1997 ein Studienforschungsprojekt am LUI in Tübingen. Dazu ist 1997 ein Ausstellungskatalog erschienen:
"Schwabenbilder. Zur Konstruktion eines Regionalcharakters
Ausstellungsband zu einem Studienprojekt 1997 unter der Leitung von Utz Jeggle. Tübingen 1997."
Der Band dazu ist zwar inzwischen vergriffen, lässt sich aber bei der TVV als Download auf die Festplatte holen. Darin geht es um die Konstruktion von Selbst- wie Fremdbilder, wie sie in dieser Form des TextualPoachings (Henry Jenkins) etwa schwäbische Tüftler und Bastler insbesondere in Bezug auf Technik auch zum Ausdruck kommt:


 

Enzensberger über das Internet

Hans-Magnus Enzensberger, einstiger Apologet einer Gegenöffentlichkeit (Wir erinnern uns: Baukasten einer Theorie der Medien, repressiver und emanzipatorischer Mediengebrauch, Jeder Empfänger ein potenzieller Sender, Mobilisierung der Massen, Brecht-Radiotheorie im Kursbuch 20, S. 159-186, 1970), gibt sich angesichts der Möglichkeiten des Internet bzw. der Neuen Medien allgemein, erneut ganz doll kulturkritisch. Nur schlägt er sich jetzt auf die Seite der MassenverächterInnen:

„99,999% aller Botschaften sind allenfalls für ihre Empfänger von Interesse, und selbst das ist noch übertrieben. … Nicht jedem fällt etwas ein, nicht jeder hat etwas zu sagen, was seine Mitmenschen interessieren könnte. … Auch die offenen Fernsehkanäle … zeigten kaum anderes als öde Vereinsmeierei und hilflosen Exhibitionismus – eine Entwicklung, die in der interaktiven Talkshow und im Chatroom ihre Krönung fand.“

Enzensberger, Hans Magnus: Das digitale Evangelium. Propheten, Nutznießer, Verächter. In: Ders.: Die Elixiere der Wissenschaft. Seitenblicke in Poesie und Prosa. Frankfurt/M. 2002, S. 75-97, 86f
 

Scientists goes Body oder "The Need to reboot"

Bei Carl Zimmer's Science Tattoo Emporium erfahren wir:

"Underneath their sober lab coats and flannel shirts, scientists hide images of their scientific passions. Here they are revealed to all."

alt-ctrl-delEin Beispei von Chaim [Delete-Alt-Ctrl]

"Let's not forget the computer scientists! I have a ying yang on one shoulder to remind me to keep a balance in all things in life. I have this on the other shoulder to remind me that sometimes things get fubar and you need to reboot."
 

Experten über Laien

Auf dem Kongress des Chaos Computer Club 24C3 gab es nicht nur eine per Dampfkraft betriebene Telex-Maschine, die RSS-Feeds ausdrucken kann, sondern auch einen aus kulturanthropologischer Sicht sehr interessanten Vortrag von Markus Beckedahl von netzpolitik.org. Der Vortrag mit dem Titel 23 Wege für Deine Rechte zu kämpfen ist nicht nur auf der ersten, inhaltlichen Ebene sehens-und hörenswert, interessant sind auch die vielen Nebenbemerkungen, z.B. über die digitale Kluft zwischen den Generationen. Ausserdem erklärt hier ein Experte anderen Experten Verhaltensweisen von und Umgehensweisen mit Laien.



Obwohl....Äh...Nun ja: Experten? Laien? Wo ist denn da die Grenze? Die Frage sprengt den Rahmen und wird somit vertagt.
(Puh, gerade noch die Kurve gekriegt, bevor ich hier Ärger mit dem Lehrpersonal bekomme.)
Auf jeden Fall in voller Länge sehenswert. Auch die Anmerkungen aus dem Publikum zum Schluss.
 

Meinungen über Technik (6): Georg Danzer: "Zerschlagt die Computer"

Georg Danzer - Zerschlagt Die Computer

Sie wissen, wer Du bist
Sie wissen, was Du isst
Sie kenn genau Deine Masse

Du bist schon programmiert
Jetzt wirst Du kontrolliert
Zu Hause und auch auf der Strasse

Zerschlagt die Computer

Sie kennen Dich genau
Sie kennen Deine Frau
Sie lesen vor Dir Deine Zeitung

Sie wissen, wie Du liebst
Mit wem Du Dich umgibst
Sie sitzen schon in deiner Leitung

Zerschlagt die Computer
Zerschlagt die Computer…

Diese riesige Maschine
Die uns alle kontrolliert
Hat ein krankes Hirn
Und duldet keinen
Der nicht funktioniert

Doch ich hab' sie jetzt durchschaut
Diese grosse Menschenfalle
Diese riesige Maschine
Sind wir alle
Sind wir alle

In einem Interview Anfang Januar 2006 äußert sich der im Sommer verstorbene Georg Danzer nochmals zu diesem Lied:

War das bei Alben wie „Notausgang“, „Traurig aber wahr“, etc. nicht der Fall?

GD: In den frühen 1980ern war es insofern einfacher, weil man wirklich limitiert war auf sich und seinem Instrument. Heute ist man viel mehr den Verlockungen des Computers ausgesetzt. Wenn man die Gelegenheit hat, auf dem Computer irgendein Loop oder Sample zu nehmen, und sich daran voranhantelt, dann entsteht zwar aufs erste Hinhören etwas, das vielleicht oberflächlich gehört geil klingt, aber bei näherer Betrachtung die lebendige Substanz vermisst. Deswegen arbeite ich auch heute noch so, dass ich meine Gitarre, ein Heft zum Schreiben und einen DAT-Rekorder, aber keinesfalls einen Computer, nehme und mich irgendwo in Spanien zurückziehe, damit ich von niemanden erreicht werde.

Hat insofern das Lied „Zerschlagt die Computer“ für dich weiterhin Gültigkeit?

GD: “Zerschlagt die Computer“ habe ich aus einem anderen Grund geschrieben, und – erstens einmal – ist es eines jener Lieder für mich, die ich besser nicht geschrieben hätte, weil es letztendlich nur ein Rundumschlag ist. Aus damaliger Sicht war es ganz anders zu verstehen. Es ging um den gläsernen Menschen, um den Überwachungsstaat. Man weiß heute, dass Deutschland jenes Land innerhalb der EU mit der häufigsten Telephonüberwachung ist. Ich habe aber nichts gegen Heim-Computer, ich liebe meinen Apple, solange er funktioniert, wenn er mich in Stich lässt und verarscht, dann hasse ich ihn, aber das geht ja jedem so. Ich liebe auch das Internet, E-Mails zu schreiben und zu surfen; wenn ich bei Google einen Begriff eingebe – z.B. an welchem Tag Robespierre geköpft wurde und ich finde das innerhalb von zwei Minuten – das schätze ich schon sehr. Die weltweite Vernetzung kann eine enorme Hilfe sein, aber es täuscht mitunter auch. Wir sind zwar weltweit vernetzt, aber nicht mit Nahrung. In Russland verhungern Leute in ihren Häusern, und in anderen Ländern geht es Menschen noch ungleich schlechter, da hilft das ganze Internet nichts. Peter Ustinov sagte kürzlich: "Terror ist der Krieg der Armen, Krieg ist der Terror der Reichen." Das ist ein sehr weiser Satz.
 

"Lessig ist lässig"- Monochrom's love song for Lawrence Lessig

Monochrom, meine Lieblingskombo aus Wien, hat auf boing boing-TV einen Austropop-Trash-Hit auf Lawrence Lessig umgedichtet:

"Lessig ist lässig" -
("That means he’s cool.")

"Then, Austrian art-pranksters Monochrom sing a song of love for Stanford law prof and famed copyright reform advocate Lawrence Lessig."



(fängt ungefähr in der Mitte des Videos, bei 2.40 an)

Monochrom ist lässig -

Denn da wäre noch ihr RFID-Song
und natürlich das Meisterstück: "Farewell Overhead"
 

Notiert: Merkwürdiges zum Wochenende

Ich persönlich verfolge seit einiger Zeit das Verfahren zur Erneuerung des Telekommunikationsüberwachungsgesetzes (im Volksmund unter dem Schlagwort "Vorratsdatenspeicherung" geläufig), über das Ende nächster Woche im Bundestag entschieden wird.

Völlig überraschend (für mich) erschien nun dieses Wochenende der doch eher konservative oberbayrische Donaukurier und seine lokalen Ableger mit geschwärzter Titelseite und einer Auffoderung an die Bevölkerung direkten Widerstand zu leisten (!). (Online-Ausgabe des Artikels hier)

eichsttterkurziertitelsrl6

Update: Die Süddeutsche berichtet derweil von einer Verschiebung der Entscheidung:

Diese Bedenken haben jetzt auch den Bundestag erreicht: Die Abstimmung wurde von der Tagesordnung genommen. Das Gesetz wird am Mittwoch zunächst noch einmal im Rechtsausschuss beraten. Änderungen des Gesetzes gelten daher als wahrscheinlich.
 

FAZ-Schirrmacher, das Internet, das Abendland und der Untergang (Kulturpessimismus I)

"Das ist kein Kulturpessimismus" behauptet FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher über seine Dankesrede für den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache 2007. Die Süddeutsche Zeitung (29.10. 2007) hat uns dieselbe via Internet hinterlassen.

"Die erste Generation, die seit ihrer Geburt vom Internet geprägt wurde, macht demnächst Abitur. Gleichzeitig steigt der Anteil an jungen Menschen, die bekennen, gar nicht mehr zu lesen, dramatisch an. Und man wende nicht ein, dass der Mensch auf den Vorgang des Lesens nicht verzichten kann. Das Gegenteil ist der Fall. Das Netz ist auch ein Medium, das in steigendem Maße Nicht- oder Fastnichtmehrlesen ermöglicht, und wer das nicht glaubt, schaue sich die Verfilmung von Archiven bis zu Gebrauchsanweisungen auf Youtube an. Jetzt aber verändern sich die Gehirne. In welchem Ausmaß das geschieht, ist selbst der Forschung noch nicht klar: Fest steht, dass der ikonographische Extremismus, dem die Jungen und Jüngsten im Internet ausgesetzt sind, wie eine Körperverletzung wirkt.
[…]
Die Sprache dieser ersten Internetgeneration ist beängstigend roh, sie kommt aus den Bildern und handelt von den Praktiken, die diese Protagonisten in irgendwelchen Nischen gesehen haben. Bilder, die jeder, der sie gesehen hat, nie wieder vergessen kann, es sei denn um den Preis vollständiger Abstumpfung. Wir riskieren, die wenigen Kinder, die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, mit seelischem Extremismus zu programmieren - wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte im Internet beginnen. Und wer die Infektionsausbreitung verfolgen will, braucht nur zu zählen, wie viele Tote neuerdings auch in Nachrichtensendungen oder Illustrierten gezeigt werden."


Kurzes polemisches Nachtreten: Zu wie vielen Toten hat eigentlich die FAZ beigetragen, als sie 1999 die Deutschen in den Krieg mit Serbien hinein(t)(sch)rieb? So mal vom gewaltheischenden Internet zur friedliebenden Zeitung gefragt.
 

New York Dolls: Popkulturelle Antwort auf "Intelligent Desgin"

Eine popkulturelle Antwort auf den zunehmenden Einfluss der Anhänger des sogenannten "Intelligent Design" bieten uns die New York Dolls:




Der Text zum Mitlesen:

"Your design's so intelligent
Ain't no way that was an accident
Come on shake your monkey hips
My pretty little creationist
Oh yeah
Ain't gonna anthropomorphize ya
Or perversely polymorphosize ya
Oh yeah

Little girl you look so sweet
(you got hips like a monkey, hips like a monkey)

You just started ten thousand years ago
Presto, Adam and Eve, but go man go
Abel died, Cain took his life
And headed straight for the jungle to find a wife.
(Wow)

Nonbelievers running out on apes
This monkey time I want to see you shake

Evolution is obsolete
(you gotta dance like a monkey, dance like a monkey, child)
Stomp your hands and clap your feet
(you gotta dance like a monkey, dance like a monkey, child)

Oh one more time, yo
It's monkey time!

Come on pretty baby won't you take a chance
Be my natural selection, dance dance dance
Exorcise your demons with that monkey friend
Because we're gonna inherit the wind

Let them fight it out in the Supreme Court
That's such a mad lame indoor sport
Wave your arms and legs in the air
Rock it like a monkey, like you just don't care

Evolution is so obsolete
Gotta stomp your hands and clap your feet
(you gotta dance like a monkey, dance like a monkey
you gotta dance like a monkey, dance like a monkey...)!"
 

Peter Glaser: "Ich will meine Ruhe haben"

Während des 3. Frankfurter Onlinejournalistentag beim Hessischen Rundfunk wurde Peter Glaser aus dem Publikum gefragt, ob er - trotz seiner kritischen Anmerkungen zu Second Life - mit denen er im übrigen auch ein bisschen den ressentimentgeladener Nerd ("Seniorenteller") spielte - nicht auch positive Erfahrungen in diesem zweiten Leben gemacht habe, sprich ob er nicht auch "gehaltvolle Unterhaltungen" geführt habe:

"Ich unterhalte mich ungern, ich will meine Ruhe haben."


Auch eine Antwort zu diesem Unfug, es hätten alle nichts anderes zu tun, als sich in das sogenannte Mitmach-Internet zu stürzen.
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Gerrit Herlyn
Deutungsmuster und Erzählstrategien bei der Bewältigung beruflicher Krisenerfahrungen In: Seifert, Manfred/Götz, Irene/Huber, Birgit (Hg.): Flexible Biographien. Horizonte und Brüche im Arbeitsleben der Gegenwart. Frankfurt u. a. 2007, S. 167-184.




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