Gerrit Herlyn: Dörfliches Sprechen über Windkraftanlagen (12)

In einem weiteren Beitrag aus dem Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung referiert nun Gerrit Herlyn über "Dörfliches Sprechen über Windkraftanlagen. Zur kommunikativen Verhandlung neuer Technik".

Er berichtet am Beispiel eines Dorfes im norddeutschen Dithmarschen über das Sprechens über Windkraftanlagen und der Funktionen dieses Sprechens in diesem Dorf. Es geht ihm dabei in Anlehnung an Karl Heinz Hörning darum, wie Technikinnovationen in die "Mangel der Praxis" geraten.

In seinen Vortrag nimmt er hierfür zwei Modi des Sprechens in den Blick. Die vorgestellten Interviewpassagen interpretierte er dahingehen.

1. Nämlich wie über diese Erzählungen (vor allem anlässlich Pannen oder Probleme) die mit den Windkraftanlagen verbundenden Veränderungen im dörflichen Alltag artikuliert und gedeutet werden.

2. zeigt er wie mittels dem Sprechen über Windkraftanlagen zugleich auch über die Beziehungen zu anderen Dorfbewohner zum Vorschein kommen.

Michael Guggenheim: Technizität von Gebäuden (11)

In der SEKTION VI: DISKURSIVIERUNG VON TECHNIK AM BEISPIEL VON ARCHITEKTUR UND LANDSCHAFT spricht Michael Guggenheim (Univ. Zürich über "Was Gebäude (nicht) tun (sollen). Zum Status der Technizität von Gebäuden zwischen Kulturwissenschaft und Architekturtheorie"

Zunächst unternimmt er eine Definition von Gebäuden als Technologie (1)
Anschließlich behandelt er die Geschichte der Technisierung und Detechnisierung (2)
Danach ist die Technizität der Gebäude eine Konsequenz der Differenzierung von Gebäuden. Z. B. im Museum
Im zuge des Aufschwungs des Funktionsbegriffs (1920er Jahre) kommt es zu einer weiteren Technisierung (Corbusier)
Nach 1960 erfolgt die Detechnisierung: Gebäude wandeln sich zu Quasitechnologien
Damit verbunden sei der von Gerhards diagnostizierte "Aufstand des Publikums" (etwa gegenüber den Professionen)
Die Debatte drehte sich nun darum, ob dieser "Aufstand des Publikums" tatsächlich in den 70er Jahren verorten lassen.

Jan Staman: The Future of Technology Assessment (10)

Jan Staman ist Direktor des niederländischen Technikfolgenbüros, welches das nationale Parlament in Fragen der Technikfolgenabschätzung berät. Zunächst verweist er darauf, dass Technikfolgenabschätzung nicht nur Wissenschaft, sondern auch "Business" ist. Er berichtet über die Arbeit des Rathenau-Instituts:

Die Themen sind :
- Human Enhancement
- Brain Sciences,
- Aging
- Screening Society
- Digital Generation
- Ambient Intelligentce
- Social Robots
- Synthetic Biology

Politikberatung erfolgt in Bezug auf
- Parlament
- Organisation des öffentlichen Diskurs
und in weiteren Kontexten (Erziehung usw.)

Im folgenden skizzierte er das Selbstverständnis des Rathenau-Instituts in Bezug auf Wissenschaft und Politik. Zumeist trete das Institut als Auftraggeber von wissenschaftlichen Studien auf und fühlt sich eher für die Definition der Untersuchungen und Probleme, Mobilisierung von Expertenwissens sowie für die Organisation des öffentlichen Diskurses und Medieninformation zuständig.

How to communicate?


Darüber hinaus gibt es weitere Wege die Inhalte zu kommunizieren. Insbesondere der Kunstkontext wird von J. Staman betont.

Sie begeben sich auch auf das Feld der Poesie, Romane, SF, Essayistk, Theater, Filme, Festivals oder Dokumentarfilm.
Auch hier versuchen sie den Diskurs um Technikfolgen zu popularisieren.

Trends

- Internalizing TA in science strategy and policy
- TA and Innovation
- TA and forsight (
- TA and Science system assessment
- Broadingen to RELSA
- Evidence based contributions for public discourse
- Enlightment revisited
- USA/China syndrome
- Growing conceptual unease citizen participation
- the media are the message.

Kijan Espahangizi: Röhrennostalgie: (9)

Kijan Espahangizi (ETH Zürich) spricht über "Röhrennostalgie" und die "Erinnerungskulturen der Technik": Die zentrale These des Vortrages lautet, dass "diese bemerkenswerte kulturelle Beharrlichkeit der Röhre" im Kontext eines Generationenwechsels der Elektronik ab Mitte der 1950er Jahre" zu sehen sei, die zugleich "mit der Herausbildung einer technikzentrierten Erinnerungskultur einherging. Dabei wurde die Elektronenröhre, vormals Symbol modernen elektronischen Fortschritts, zur nostalgischen Projektionsfläche, zum Erinnerungsobjekt". (1. Die Röhre als kulturelles Objekt vor der Tranisistorära)


K. Espahangizi begründet seine These anhand dreier
Erinnerungskontexte:

1. Die Röhre als Gegenstand der Technikgeschichte.
2. Die Röhre in der DIY- und Amateurelektronik
3. Die Röhre in der Populärkultur (insbesondere Rockmusik)

Für K. Espahangizi laufen zwei Entwicklungen zusammen und führen zu einer Art generationenübergreifenden Konjunktur des Erinnerungsobjekts Röhre: Das war in den 90er Jahren einer Idealisierung von Handarbeit (Röhre) gegen die gesichtslosen industriell gefertigten Massengüter verbunden. Ganz ähnlich im übrigen wie im Kontext des Übergangs von der analogen zur digitalen Kultur und einer damit verbundene analoge Nostalgie (z.B. Vinyl, Super 8). Beides lässt sich wiederum in den Markt integrieren.

Das im Kontext der Röhre konstatierbare generationenverbindende Ressentiment bedinge "eine Art dinglich-metonymischer Verdichtung", es mache die Röhre quasi zum "Erinnerungsmedium einer analogen Klang- und Bildkultur, als Medium einer Erinnerungskultur der Technik".

Ulrich Dienhart: Kultur des Wandels (8)

Ulrich Dienhart, Associate des Forschungskollegs Kulturwissenschaftliche Technikforschung, beschäftigt sich in seiner Dissertation mit dem Phänomen des Wandels der Mobilität (Fokus: Kutsche)
  • Er reklamiert im folgenden das Thema "Kulturelle Dynamik" als neues Feld der Volkskunde
  • U. Dienhart beklagt den Verlust des Blicks auf den Eigensinn
    Zunächst skizziert er Denkfiguren zur Erfassung von Bewegung. Dabei sieht er die Feldwissenschaften gegenüber den Laborwissenschaften im Nachtteil, weil erstere die Rahmenbedingungen ihrer Forschungen nicht in gleicher Weise selbst abstecken können
  • "Der Wandel ist ein Mittler zwischen Geschichtlichkeit und Zukunft"
  • Kulturelle Dynamik im Modus einer Raumkulturforschung
Die zentralen Prozeduren im Prozess des Wandels sind für ihn die Reinigung, Übersetzung, Vermittlung

Sprechen über den Wandel: Ein Vokabular
Existent-Machen durch Sprechen.
Die Abhängigkeit des Neuen von den Rahmenbedingungen in die das Neue eingebettet ist.

Frage Konstruktionen: Über Dialogizität, Eigenwelten und deren Verbundenheit
  • Kultur als lebendige Realisation des Dialogischen Prinzips
  • Die Konstruktion von Eigenwelten
  • U. Dienhart spricht ebenfalls von einem Enablingpotenzial der Verbundenheit
Was bleibt: Wege zwischen Tausend Plateaus

Auf Nachfrage reklamiert U. Dienharts seine Überlegungen sowohl für technische Innovationen, soziale Praktiken und soziale Praxen.

Zweiter Tag des Kongresses hat begonnen (7)

Inzwischen hat der zweite Kongresstag begonnen. Heute ist für die BesucherInnen von 9 Uhr bis 19.30 Uhr ein Marathonprogramm in paralellen Sektionen zu bewältigen. Im Rahmen dieses "Live-Blogging" können daher nur ausgewählte und keineswegs alle Vorträge "gebloggt" werden. Zudem von den OrganisatorInnen natürlich auch noch andere Aufgaben währenddessen werden müssen.
Ein Weblog mit Informationen und Meinungen rund um Fragen der Kulturwissenschaftlichen Technikforschung

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Publikationen aus dem Forschungskolleg










Gerrit Herlyn
Deutungsmuster und Erzählstrategien bei der Bewältigung beruflicher Krisenerfahrungen In: Seifert, Manfred/Götz, Irene/Huber, Birgit (Hg.): Flexible Biographien. Horizonte und Brüche im Arbeitsleben der Gegenwart. Frankfurt u. a. 2007, S. 167-184.








Anika Keinz, Klaus Schönberger und Vera Wolff (Hrsg.)
Kulturelle Übersetzungen
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