CfP Technologie und Philosophie: Francis Bacon und seine Zeitgenossen

CFP: Technologie und Philosophie: Francis Bacon und seine
Zeitgenossen - Frankfurt am Main 07/20006
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Dr. Gisela Engel, Zentrum zur Erforschung der Fruehen Neuzeit,
Dr. Nicole C. Karafyllis, Institut für Polytechnik/Arbeitslehre und
politische Bildung, Dott. Romano Nanni, Direktor des Museo Leonardiano (Vinci)
Dr. Claus Zittel, SFB/FK 435 Wissenskultur und gesellschaftlicher
Wandel, Teilprojekt D 4: Formen und Funktionen ästhetischer Generierung von Wissen in der Frühen Neuzeit
07.07.2006-08.07.2006, Frankfurt am Main
Deadline: 01.11.2005
Call for Papers
Internationale Konferenz / International Conference

Technologie und Philosophie: Francis Bacon und seine Zeitgenossen
Philosophies of Technology: Francis Bacon and his Contemporaries
Frankfurt am Main, 7./8. Juli 2006

Ein Projekt des Netzwerks Technology as Cultural Heritage / La Storia del Disegno Technico del Rinascimento e della Prima Modernità come Patrimonio Comune Europeo. Gefördert vom Programm Kultur 2000 der Europäischen Kommission, Generaldirektion Bildung und Kultur

Vorbereitender Arbeitskreis:
Dr. Gisela Engel, Zentrum zur Erforschung der Fruehen Neuzeit,
Dr. Nicole C. Karafyllis, Institut für Polytechnik/Arbeitslehre und
politische Bildung, Dott. Romano Nanni, Direktor des Museo Leonardiano (Vinci), Dr. Claus Zittel, SFB/FK 435 Wissenskultur und
gesellschaftlicher Wandel, Teilprojekt D 4: Formen und Funktionen
ästhetischer Generierung von Wissen in der Frühen Neuzeit


Viele Ereignisse und Entwicklungen, insbesondere die Europäisierung unserer intellektuellen Horizonte, verlangen nach einer verstärkten Besinnung und Debatte über Kategorien unseres Denkens: Was ist "Europa" und wie ist es geworden? Welche Traditionen teilen "Europäerinnen" und "Europäer"? Gehören Technik und Technologie zu einem gemeinsamen europäischen kulturellen Erbe? Worin zeigt sich dieses Erbe und wie gehen wir mit diesem Erbe um? Diesen Fragen soll die geplante Konferenz anhand einer Auseinandersetzung mit dem Werk Francis Bacons, seiner Zeitgenossen, der Vorläufer und Nachfolger in kulturgeschichtlicher Perspektive nachgehen.

Der Beitrag Francis Bacons und der nach ihm benannten ‚baconischen’ Wissenschaften zur europäischen Wissenschafts- und Geistesgeschichte besteht nach allgemeiner Auffassung in der Etablierung und Tradierung einer auf Experiment und gezielter Beobachtung sich stützenden empiristischen Forschungsstrategie. Damit verbunden war eine im Umgang mit technischen Neuerungen erworbene Deutung von Welt und Natur. Zur Geschichte technischer Entwicklungen in der Renaissance und in der Frühen Neuzeit, zur Bedeutung technischer Modelle für die Entwicklung von Erkenntnismodellen sowie für Erklärungs- und Deutungsmuster vieler Zusammenhänge (z.B. über das Uhrmacherhandwerk und die Uhr als Metapher in politischen Zusammenhängen, über Automatenbau und Verständnisse vom Körper als Automat) liegen bedeutende Erkenntnisse vor. In der Tradition Leonardos und Bacons finden sich jedoch viele weitere Beispiele für das Erproben ganz unterschiedlicher technischer Modelle, in deren Licht die übliche Konzentration der Forschung auf Uhr, Vakuumpumpe und Automat sowie die Kontur des damit veranschaulichten mechanistischen Weltbilds als zu einseitig erscheinen. Wir möchten im Rahmen der geplanten Konferenz weniger ausgetretenen Pfaden folgen und zwei Schwerpunkte
setzen:

1. Die Bedeutung technischer Modelle in naturphilosophischen/
naturhistorischen Erkenntniskontexten und für die Geschichtsphilosophie

Technische Neuerungen erzwingen und ermöglichen neue Formen der Welt-Deutung, sowohl als faktisch vorliegende Modelle als auch in Form von deren visionärer Utopie. Durch das neue, traditionellen
Interpretationsmustern sich nicht einfügende Material entsteht
einerseits ein Deutungsdruck, andererseits offerieren technische
Erfindungen zugleich auch neue Modelle für die Weltdeutung. In bezug auf die Situation in der Frühen Neuzeit sollen u.a. die folgenden Fragen berührt werden: Auf welche Weise und mit welcher Reichweite dienen technische Modelle als Erklärungsmodelle für Welt überhaupt? Welche konkreten technischen Modelle (über die der Uhr, Vakuumpumpe und des Automaten hinaus, z.B. thermo- oder hydrodynamische Modelle wie Ofen, Destillierapparate, Mühlen, aber auch Webstuhl, Papierherstellungstechniken, Druckmaschinen, Bergbautechnik etc.) konkurrierten in der theoretisch-explanativen Sphäre von frühneuzeitlicher Wissenschaft miteinander? Wie verschiebt sich durch bestimmte technische Neuerungen das Verhältnis der Reflexionsbegriffe von „Natur“ einerseits und denen von „Technik“ andererseits? In welcher Beziehung stehen dazu die Konzepte von „ars“ und „scientia“? Wie gestaltet sich die Rolle "säkularer" technischer Apparate als Mittel magischer Naturbeherrschung? Auf welcher Ebene des Wissens sind vorhandene Techniken und Artefakte anzusiedeln, und welche Wissenstopologien werden dabei zugrundegelegt? Was bedeutet dies für neue Konzeptionen von Geschichte und Fortschritt?

2. Die Entwicklung technischer Neuerungen in der Renaissance und in der Frühen Neuzeit in Europa

Um die epistemologischen Fragen kultur- und sozialhistorisch zu
kontextualisieren, soll in einem zweiten Themenschwerpunkt den folgenden Fragen nachgegangen werden: In welchen Bereichen (z.B. Land- und Forsttechnik/ Bauwesen/ Textil- und Papierherstellung und -verarbeitung/ Hauswirtschaft/ Manufaktur/Militärtechnik u.a.) fanden in welchen Regionen technische Neuerungen statt? Wer entwickelte welches neue Verfahren aus welchen Interessen? In welche Herrschaftszusammenhänge waren technische Entwicklungen eingebunden? Gab es einen Techniktransfer? Wie fand er statt? Welche europäischen Regionen standen miteinander in Kontakt und wirkten ggf. auch über Europa hinaus? Gab es eine bewußte Ablehnung bzw. Beförderung technischer Neuerungen? Und wodurch wurde die Idee des „Neuen“ in der technischen Entwicklung vorangetragen? Gibt es einen "europäischen" Technisierungsprozeß, und welche Rolle spielen evtl. die "Peripherien" und "Semi-Peripherien" (Wallerstein) in diesem Prozeß? Bacon formulierte ein Forschungsideal, das auf wissenschaftliche Kooperation setze, deren Früchte dem Allgemeinwohl zugute kommen sollten, und das aber in bezug auf das technische know how die Öffentlichkeit ausschloß. War dies nur eine bloße Idee Bacons oder spiegelt dieses Ideal eines priviligierten Herrschaftswissens typische gesellschaftliche Vorstellungsmuster seiner Zeit?


Bitte senden Sie uns ein Exposé mit einem Themenvorschlag (ca. 25-30 Zeilen) und eine kurze biobibliographische Angabe (20-25 Zeilen) bis zum 1. 11. 2005 an eine der u.a. Email-Adressen zu.

Dr. Gisela Engel, Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
G.Engel[at]em.uni-frankfurt.de

Dr. Nicole C. Karafyllis, Institut für Polytechnik/Arbeitslehre und
politische Bildung, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Karafyllis[at]em.uni-frankfurt.de

Dr. Claus Zittel, SFB/FK 435 Wissenskultur und gesellschaftlicher
Wandel, Teilprojekt D 4: Formen und Funktionen ästhetischer Generierung von Wissen in der Frühen Neuzeit, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
c.zittel[at]em.uni-frankfurt.de

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